Bewusstseinstexte Dr. W.-J. Maurer

Der Miesmacher – den Kampf aufgeben

von Dr. Wolf-Jürgen Maurer

Das Eintauchen in den egoistischen Bewusstseinszustand, der sich als getrennt erlebt und Angst zur Folge hat, ist letzten Endes der Grund für all das menschliche Leid. Dieser Trancezustand des egoistischen Bewusstseins ist es, in dem 99% der Menschheit lebt, und dennoch ist er genau der Zustand, dem wir alle so sehnlich entkommen wollen. Jeder weiß, was es bedeutet, in diesem Zustand gefangen zu sein: wir erleben große Unzufriedenheit und Frustration.

Unser Ego besteht im Wesentlichen aus unsere Prägungen, ist also unsere Vergangenheit, die sich jetzt ausdrückt und entfaltet. Das Ego ist lediglich die geistige Konditionierung, besteht aus unseren gedanklichen Konzepten und zeigt sich in dem, wie wir denken, wahrnehmen und reagieren. Das Ego hält aber auch an altbekannten Gefühlen fest, die von unserem Schubladendenken und unseren Urteilen erzeugt werden. Unsere Körper verwandeln wie Vervielfältigungsmaschinen Gedanken in Gefühle und Emotionen. So erzeugt die egoistische Bewusstseins-Trance eine Art energetische Qualität, die unsere Körper und Beziehungen, ja unsere Welt in der wir leben formt.

Im egoistischen Zustand haben wir keine Wahlfreiheit. Wenn wir die Wahl hätten, die wir glauben zu haben, würden wir Glück und Frieden wählen. Aber im egoistischen Geisteszustand neigen wir zum Kampf. Wir kämpfen gegen das was ist, was war oder in der Zukunft sein könnte. Wenn wir kämpfen, zieht sich in uns etwas zusammen, dies verspüren wir im Körper, und erleben es als Einengung im Herzen oder im Magen. Dies ist der körperliche Spiegel der Angst, der ängstlichen Enge. Angst zieht zusammen. Wenn wir uns so zusammengezogen empfinden, sind wir aus der Ganzheit, aus dem Empfinden der Vollständigkeit herausgefallen in ein Gefühl von Kleinheit und Trennung, Mangel und Bedrohung.

Deshalb ist es wesentlich, dass wir anfangen unser Bewusstsein zu verlagern. Wir müssen zu unserem natürlichen Zustand, unserem wahren Wesen, das reiner Geist, reines Bewusstsein ist, erwachen- dazu wer wir wirklich sind. Wir spüren, dass wir in dieser Welt nicht zu Hause sind. Wenn wir glauben, unser zu Hause sei außerhalb von uns, werden wir es dort vergeblich suchen, wo es nicht ist. Wir erinnern uns nicht daran, wie man nach innen schaut, denn wir glauben nicht, dass unser zu Hause dort ist. Aber ein Teil unseres Geistes erinnert sich nach wie vor.

Wir haben alle das Bedürfnis, nicht auf das festgelegt und begrenzt zu sein, was uns eingeprägt wurde. Wir sehnen uns danach frei, liebevoll offen und mitfühlend zu sein- allerdings sind unsere Möglichkeiten hierzu sehr begrenzt, wenn wir in der egoistischen Bewusstseinstrance feststecken, die der Wahrnehmung der Welt, wie wir sie sehen, zu Grunde liegt.

Existenzangst ist immer ein Hinweis darauf, dass du dich mit dem Ego identifizierst. Dich mit dem Ego zu identifizieren heißt, dich selber anzugreifen und dich (geistig) arm zu machen. Das Ego versucht dich zu lehren, wie du die ganze Welt gewinnen und deine Seele verlieren kannst. Dort wo dein Schatz ist, dort ist dein Herz. Wer sich an seine Investitionen in der Welt klammert ist, in der Tat arm. Er begeht einen Irrtum und sucht beharrlich an der falschen Stelle nach Rettung und Erlösung. Armut ist vom Ego. Die Armut des Ego verlangt nach Angriff, um seinem Mangelerleben abzuhelfen und sich zu sichern. Deshalb hat jeder, der sich mit dem Ego, dem kleinen Angst-Ich, identifiziert, das Gefühl, es sei ihm etwas entzogen. Was er dann empfindet, ist Depression oder Ärger, weil das, was er mit dieser Identifizierung tat, der Eintausch von Selbstliebe gegen Selbsthass war. Für das Ego ist Liebe gefährlich, weil das Ego das Denksystem der Trennung und der Angst ist. Dennoch sucht das Ego vermeintlich ständig draußen in der Welt nach Liebe, doch findet es sie nie, denn das Ego kann nicht lieben, und in seiner fieberhaften Suche nach Liebe sucht es etwas, was zu finden es sich fürchtet- nämlich seine Selbstauflösung. Erlösung ist nur für den Geist bestimmt und wird durch Frieden erlangt- deshalb stammt jede Reaktion außer Liebe aus einer Verwirrung darüber, was wir wirklich sind. 

Wenn du Angst verspürst, dann ist es nur das Ego, das sich bemerkbar machen will. Höre nicht darauf, identifiziere dich nicht damit, denn du bist nicht das Ego. Bemühe dich nicht, die Angst vor dir zu verstecken, denn damit unterstützt du nur das Ego. Sieh sie vielmehr nur als das an was es ist- als deinen Wunsch nach Erlösung! Wenn du verstehst, dass nur Angriff und deine eigenen Angriffsgedanken Angst erzeugen, und wenn du Angriff als den Hilferuf siehst, der er ist, muss es dir dämmern, dass die Angst unwirklich ist. Denn Angst ist ein Ruf nach Liebe.

Wende dich stattdessen dem Teil deines Geistes zu, der weiß, dass du keine Angst haben kannst. Angst oder Liebe sind die einzigen grundlegenden Ur-Gefühle, deren du fähig bist. Und nur eines spiegelt deine wahre Wirklichkeit jenseits der Illusion der Getrenntheit. Du kannst keine Angst haben, da du nur Liebe bist! Möchtest du das Bewusstsein der Angst nicht gegen dieses Bewusstsein der Liebe und des Friedens eintauschen? In der vollkommenen Liebe ist keine Furcht. Lieben heißt die Angst verlieren, und damit heil werden. Wir sind geistige Wesen. Wir SIND Liebe. Wir sind Gefühl. Das ist unser Wesen. Das ist, was wir sind. Das Gefühl der Heilung kennst du. Du hast es schon gefühlt. Erinnere dich nur. Was bedeutet es, zu lieben? Zu lieben bedeutet, keine Schuldigen zu sehen.

Du hast es dein Leben lang gespürt. Du hast immer gewusst, dass etwas in dir ist, das danach sucht, geboren zu werden, zu erwachen. Wenn wir dem Leben so begegnen, wie es ist und nicht wie es unserer Meinung nach sein sollte, wenn wir unser Bedürfnis aufgeben, unsere Erfahrungen ständig zu kontrollieren und zu beurteilen, dann fangen wir an, uns dem Leben auf vollkommene Weise neu und vertrauensvoll voller Hingabe zu öffnen. Alles dient zu unserem Besten. Wir verwurzeln uns tief in der Stille und dem Zustand der Konfliktlosigkeit und fallen damit in die Gnade einer anderen Dimension des Seins. Ein Zustand des tiefen geistigen Friedens, der Freude und der liebevollen Verbundenheit und radikalen Akzeptanz von allem was ist- innen wie außen. Dazu müssen wir verstehen lernen, dass wir auf nichts direkt reagieren, als auf unsere Deutung davon.

Du bist nicht vollkommen glücklich und in Frieden? Dann ist dir etwas entgangen. Es hat sich ein Miesmacher bei dir eingeschlichen. Er hat das so geschickt angestellt, dass du ihn gar nicht bemerkt hast. Jeden Tag verspricht er dir dein Glück: „Morgen, übermorgen, irgendwann wird es besser werden. Wenn du nur erst größer bist, älter bist, reich, berühmt und mächtig bist, dann – ja dann! Aber du musst genau tun, was ich dir sage…“ So hast du begonnen zu warten und aufgehört, einfach glücklich zu sein. Wo immer du gerade bist, er wird dir sagen, dass es jetzt woanders besser wäre. Er gibt dir Ziele um Ziele vor, mit dem Versprechen, dass sich dadurch deine Lage verbessern würde. Und vertrauensselig befolgst du seine Anweisungen. Er sagt dir, dass es im Leben ums Überleben ginge – darum, wer der Stärkere sei, der Bessere und Klügere, der Reichere und Mächtigere, der Schönere und Erfolgreichere. Er meint, dass es ums Siegen ginge, denn den Siegern gehöre die Welt.  – Und du hörst auf ihn. Er sagt dir, dass du allein bist und auf dich schauen musst, sonst würdest du untergehen.

Von Zeit zu Zeit spürst du eine leise Sehnsucht. Du kannst nicht glauben, dass alles nur so sein soll, wie der Miesmacher es dir sagt. Und er gibt dir recht:
„Natürlich gibt es auch Liebe und Frieden auf der Welt. Um Frieden musst du kämpfen – gegen alle, die Hass und Krieg wollen. Und für die Liebe such dir jemanden, der hat, was dir fehlt – dann wirst du dein Glück finden.“
Und du hörst wieder auf ihn. Du kämpfst für den Frieden, aber du versagst – die anderen sind stärker. Doch dann, ganz unvermutet, findest du dein Glück. Endlich wird deine Sehnsucht erfüllt: Du hast jemand gefunden, dich verliebt!  Aber leider … bald schon bemerkst du, dass der geliebte Mensch dich nicht glücklich machen kann oder will. Und bald wirst du ihn für dein Unglück verantwortlich machen, sowie vorher schon andere, denen du einmal vertraut hast und die deine Hoffnungen auch nicht erfüllt haben.

Und es ist wieder der Miesmacher, der Rat weiß: „Ich habe es dir gesagt – die Welt ist schlecht. Traue niemandem, nicht einmal dir selbst. Nimm, was du kriegen kannst, ohne Rücksicht auf Verluste!“ Und aus Enttäuschung und Wut tust du wieder, wie er dir rät. Doch glücklich wirst du dabei nicht, ganz gleich wie viel oder wie wenig du kriegen magst. „Ach könnte ich nur wieder glücklich sein!“ Dieser Hilfeschrei kommt aus tiefstem Herzen. Und dein Gebet wird erhört, wie jedes ehrliche Gebet erhört wird. Dein Denken ändert sich, und du siehst dich bald schon ganz anders als vorher. Und vielleicht das erste Mal in deinem Leben ahnst du, dass da jemand ganz massiv gegen dich arbeitet. Vielleicht das erste Mal entdeckst du ihn – den Miesmacher. Er ist nicht in anderen oder in der Welt, nein – er ist tatsächlich in dir selbst! Du hast ihn entdeckt.

Ein Geist, der nicht in Frieden ist, ist krank. So ein Geist ist davon überzeugt, dass die äußeren Situationen und Umstände für seine Unruhe verantwortlich sind. Deshalb ist er ständig damit beschäftigt, die jeweiligen Situationen und Umstände zu beeinflussen oder zu verändern. Er ist ständig in Unfrieden. Er ist krank. Vergebung ist das Heilmittel für einen Geist, der falsch ausgerichtet ist. Denn wahre Vergebung verleiht dem Irrtum keine Wirklichkeit, sondern richtet den Geist auf ein anderes Ziel aus: Auf den Frieden, der immer gegeben ist! Auf den Frieden, der völlig unabhängig ist von den Situationen oder Umständen, welche die äußere Welt ihm anbieten mag. Wahre Vergebung ist deshalb darauf ausgerichtet, den Geist, der auf das Ego hereingefallen ist und daher glaubt, er wäre tatsächlich diese Filmfigur, daran zu erinnern, dass er völlig frei von allem Filmgeschehen ist. Sie ist darauf ausgerichtet, den Geist wieder spüren zu lassen, wie sich Freiheit wirklich anfühlt, seine wahre Macht wieder zu spüren: Wahre Freiheit zeigt sich in der Erinnerung, dass der Geist vollkommen frei und unabhängig vom Schicksal der Filmfiguren ist. Und seine wahre Macht zeigt sich darin, dass er lernt, dass sein Frieden und seine Sicherheit vom Schicksal der Filmfiguren überhaupt nicht gestört oder beeinträchtigt werden kann. Wenn wir uns nicht mit der Figur in dem Film identifizieren, die wir wie auf einer Filmleinwand im Kino sehen, sondern die Figuren in dem Film von außerhalb betrachten, holen wir unsere wahre Kraft zurück. Wenn wir darum wissen, hören wir auf, über das, was geschieht, zu urteilen. Wir haben begriffen, dass es hier nicht um Urteilen geht – sondern um das Aufgeben von Urteilen! Wir sind nicht das Opfer der Welt, die wir sehen, der Bilder, die unsere Gedanken gemacht haben und den Geschichten, die wir uns erzählt und denen wir alle Bedeutung gegeben haben, die sie für uns haben. Es gibt eine andere Art, die Welt zu betrachten. Wir könnten stattdessen Frieden sehen, wenn wir aufhören, dem Miesmacher zu folgen, pausenlos zu urteilen, zu kämpfen und unsere Angriffsgedanken aufgeben, die erst unsere Verletzlichkeit und unser Mangelempfinden erzeugen.

Ein Geist, der lernt zu vergeben, lernt zuerst, zu bemerken, wenn er krank bzw. falsch ausgerichtet ist. Dann wendet er sich rasch von allen äußeren Dingen ab und besinnt sich auf den Frieden, den er schon erlebt hat und von dem er weiß, dass er immer da ist, wenn er sich daran erinnert. Der Frieden, der höher ist als alle Vernunft und nur in der Stille jenseits des Schleiers der miesepetrigen Ego-Gedanken zu finden ist. Und sobald er das tut, spürt er, wie dieser Frieden sich wieder in seinem Geiste ausbreitet. Er spürt unmittelbar die wohltuende Wirkung der Vergebung, die niemals versagt. Sei der achtsame Beobachter. Beobachte deine Gedanken und gib deinen Gefühlen achtsam Raum, durch dich hindurchzufließen, ohne sie zu blockieren, zu bekämpfen oder zu bewerten. Mach Frieden zu deinem höchsten Ziel. Meditiere, geh in die Stille und atme bewusst durch dein Herz und atme goldenes Licht von deinem Herzen durch deinen ganzen Körper. So verlässt du das kopfige Urteilen und Analysieren, lässt deine Problemwahrnehmung los und forderst deine intuitiven Herzenskräfte deines wahren Selbst an.

Wenn du dich also verzweifelt fühlst und dein Leben keinen Sinn mehr zu machen scheint, wenn du Mangel in irgendeiner Form leidest und Angst hast, dann frage dich, wie lange du noch auf die verführerische Stimme des Miesmachers, des Ego hören möchtest, das dir alles Mögliche in der Zukunft verspricht. Es möchte nämlich nichts anderes, als dich davon abhalten, die erlösenden Worte des reinen Geistes, der Stimme der Liebe und deines wahren Selbst, zu hören, die dir in jedem Moment versichert: „Alles ist gut!“ Diese Worte sind vollkommen wahr. In ihnen liegt vollkommener, unerschütterlicher Frieden, denn keine Illusion kann mehr in einem Geiste Fuß fassen, der nur mehr diesen Worten vertraut. Damit ist jede Ungewissheit beendet und jede Unsicherheit vorbei. Und die Antwort auf jedes Problem gegeben. Wer darauf vertraut, dass alles gut ist und alles zu seinem Besten dient, hat sein Urteilen aufgegeben und die Vergebung vollkommen angenommen. Er hat die Zeitlosigkeit angenommen, denn was für einen Zweck könnte Zeit noch erfüllen, wenn bereits die Einsicht gekommen ist, dass alles gut ist? Jeder Gedanke, der dich nicht mit Freude erfüllt und dir Frieden bringt, bittet dich darum, dass du ihn vergibst. Denn die Vergebung wird dir die Freude und den Frieden bringen, die du gerne haben möchtest. Jeder liebevolle Gedanke ist wahr. Alles andere ist ein Ruf nach Heilung, Hilfe und Liebe. So wie du die Bedürfnisse anderer Menschen deutest, deutest du auch deine. Indem du Hilfe und mitfühlende Liebe gibst, bittest du darum. Und was du gibst, erhältst du selbst. Es gibt nichts, was dich daran hindern könnte, alle Hilferufe als genau das zu begreifen, außer deinem eigenen eingebildeten Bedürfnis anzugreifen. Nur das macht dich gewillt, dich auf endlose Kämpfe mit der Wirklichkeit einzulassen, in denen du die Wirklichkeit des Bedürfnisses nach Heilung verleugnest. Wir heilen gemeinsam, wie wir gemeinsam leben und gemeinsam lieben. Dir geschieht nach deinem Glaube. Lehre nur Liebe, weil du Liebe bist. Liebe in allem zu sehen heißt heilen. Du bist wieder in Frieden – in dem freudigen Zustand, in dem in Wahrheit jeder Geist auf ewig weilt. Du bist wieder gesund.

Diesen Frieden wünscht,

Dr. Wolf Maurer

 

 

Weiterführende Hörbücher:

PSS 13, 14, 17, 18, 19, 23, 24, 26

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