Bewusstseinstexte Dr. W.-J. Maurer

Das Problem

von Dr. Wolf-Jürgen Maurer

 

Probleme, Probleme, Probleme! Wo man hin sieht Probleme…

Wer mag schon Probleme? „Schon wieder so ein Mist!“

Probleme sind nicht beliebt. Doch wir Menschen erleben sie komischerweise ständig. Ob das mit uns selbst zu tun hat? Sind meine Probleme anders als die anderer Menschen? Hat es vielleicht etwas mit mir zu tun, was ich als Problem erlebe – und wie lange? Und welchen Umgang ich damit pflege? Und welche Lösungsversuche ich immer wieder unternehme? Oft genug sind unsere Lösungsversuche das Problem am Problem. Denn um immer wieder dasselbe Problem zu bekommen, muss man schon etwas dafür tun. Wenn jemand immer an derselben Stelle eine Beule hat, dann fragt man sich doch, wo läuft der ständig dagegen? Und weshalb ändert der Typ daran nichts?

Ein Problem braucht jemand, der etwas als Problem definiert und bewertet. Probleme werden konstruiert. Sie entstehen aus unseren Bewertungen von Ist-und gewünschtem Soll-Zustand und entstehen v.a. bei wiederholten nicht zielführenden Lösungsversuchen. Wenn etwas nicht zu ändern ist, ist es eigentlich gar kein Problem, sondern man sollte es besser Restriktion nennen. Damit ist es noch nicht aus der Welt und nicht gelöst. Aber das geht auch gar nicht. Nur Probleme können gelöst werden, gesetzte Realitätseinschränkungen nicht. Wenn jemand gestorben ist, dann ist dies nicht wieder rückgängig zu machen. Kein Problem also, sondern meist eine für liebende Hinterbliebene höllisch schmerzhafte Restriktion. Da gibt es keine erstbeste Lösung. Und das muss gewürdigt und betrauert werden. Dann kann es allerdings nur um den bestmöglichen Umgang mit dieser unveränderbaren Realitätseinschränkung, dieser bereits eingetretenen Wirklichkeit gehen. Und da beginnt dann das Problem unterschiedlicher zu wählender Bewältigungsmöglichkeiten. Allein die Akzeptanz dessen, was nicht geändert werden kann ist oft bereits problematisch:

Löwenzahn

Ein Mann beschloss, einen Garten anzulegen. Also bereitete er den Boden vor und streute den Samen wunderschöner Blumen aus.

Als die Saat aufging, wuchs auch der Löwenzahn. Da versuchte der Mann mit mancherlei Methoden, des Löwenzahns Herr zu werden. Weil aber nichts half, ging er in die ferne Hauptstadt, um dort den Hofgärtner des Königs zu befragen.

Der weise, alte Gärtner, der schon manchen Park angelegt und allzeit bereitwillig Rat erteilt hatte, gab vielfältig Auskunft, wie der Löwenzahn loszuwerden sei. Aber das hatte der Fragende alles schon selbst probiert.

So saßen die beiden eine Zeitlang schweigend beisammen, bis am Ende der Gärtner den ratlosen Mann schmunzelnd anschaute und sagte:

„Wenn denn alles, was ich dir vorgeschlagen habe, nichts genützt hat, dann gibt es nur noch einen Ausweg:

Lerne, den Löwenzahn zu lieben.“

 

Wenn wir unsere Sichtweisen (und beurteilenden Interpretationen) auf die Dinge ändern, dann ändern sich die Dinge. Das zeigt meine Erfahrung. Glauben Sie nicht? Probieren Sie es aus! Und lernen Sie aus Erfahrung.

Einmal kam jemand zu einem Weisen und stellte ihm folgende Frage:

„Was ist das Geheimnis des Glücks?“

Der Weise überlegte eine Weile und antwortete dann:

„Das Geheimnis des Glücks ist ein gutes Urteilsvermögen.“

„Aha“, sagte der Mann.

„Und wie bekomme ich ein gutes Urteilsvermögen?“

„Durch Erfahrung.“

„Ja“, erwiderte der Mann „, aber wie erlange ich Erfahrung?“

„Durch ein schlechtes Urteilsvermögen“, war des Weisen Antwort.

Die Geschichte lehrt uns also, Fehlgriffe und unsere subjektiven Beurteilungen und Sichtweisen humorvoll zu sehen und vor allem aus Erfahrungen zu lernen- denn es gibt eigentlich gar keine Probleme, sondern nur lehrreiche Erfahrungen. Und die können ein Geschenk für unsere Entwicklung beinhalten, sind allerdings erstmal wenig einladend verpackt. Frei nach Bertrand Russel sollte man allerdings eigentlich im Leben nur niemals die gleiche Dummheit zweimal machen, denn die Auswahl ist groß genug!

Warum triffts aber mich? Immer Ich!… muss diese Probleme haben, warum nicht die anderen?“

Von den Probleme der anderen…

erzählt uns eine alte Geschichte aus Indien:

Es stand einmal in einem Dorf ein uralter, starker Baum.

Eines Tages wurden alle Dorfbewohner eingeladen, ihre Sorgen, Probleme und Nöte gut verpackt an diesen Baum zu hängen.

Die Bedingung war allerdings, dafür ein anderes Paket mitzunehmen.

Zu Hause wurden die fremden Pakete geöffnet. Doch es machte sich Bestürzung breit, denn die Sorgen und Probleme der anderen schienen deutlich größer als die eigenen!

Und so liefen alle wieder zurück zu dem alten Baum und nahmen statt der fremden schnell wieder die eigenen Pakete an sich und gingen zufrieden nach Hause.

(Eine alte Geschichte aus Indien)

 

Probleme sind also wirklich nicht beliebt. Doch jeder hat sein eigenes. Keines ist besser als das andere. Und Probleme selbst haben es auch nicht immer leicht, wie man an der netten nachfolgenden von mir nach einem unbekannten Autor nacherzählten Geschichte merkt:

Es war einmal ein Problem, das sehr unglücklich und traurig war, weil alle Menschen darüber schimpften und es verfluchten. Dabei fing alles so spannend an…

In der Problementstehungsfabrik hatte man ihm in der Endkontrolle gesagt, dass es eine großartige Bestimmung habe und den Menschen ganz besondere Momente in ihrem Leben bringen würde. Voller Freude und Tatendrang machte sich das Problem daran, die Menschenwelt zu besuchen.

Doch anfangs wollte es niemand beachten – es war noch zu klein, ein kleines Problemchen. Genährt durch das Verdrängen und Wegschieben der Menschen, wuchs es zu einem beachtlichen Problem heran. Jetzt wurde es beachtet, allerdings zog es auch schon den ersten Missmut auf sich. Und weiterhin weit und breit keine Sicht nach besonderen Momenten, wie man es ihm vor einer Ewigkeit versprach. Es wuchs weiter und wurde größer und größer. Die Beschimpfungen der Menschen schlugen um in Resignation.

Bis eines Tages das Korsett der Resignation gesprengt wurde und ein junger Mann mit seinem Sohn das Problem betrachteten. „Das wird keine leichte Aufgabe.“, sagte der Mann zu seinem Sohn. „Da haben wir ja ein richtiges Problem, Paps, oder?“

Lass dich davon nicht einschüchtern, mein Sohn. Ein Problem ist nichts weiter als eine Herausforderung, eine Aufgabe, die es zu lösen gilt – mehr nicht. Eine Hürde, die wir gemeinsam überspringen werden. Vielleicht müssen wir hierfür neue Sichtweisen und Standpunkte einnehmen, uns weiter entwickeln. Auf alle Fälle ist ein Problem für uns da.“

Wie kann etwas für uns sein, wenn wir Schwierigkeiten damit haben?“

Weil wir daran wachsen werden, mein Sohn. Und nachdem wir es bewältigt haben, werden wir anderen Menschen helfen können, wie sie solch ein Problem lösen können.“

Das Problem lauschte aus dem Hintergrund gespannt und freute sich darauf, dass nun endlich jemand den Mut fasste und sich seiner annahm.

Weshalb bist du dir so sicher, Paps?“

Wenn ein Problem gegen uns wäre, müsste es Contrablem heißen – tut es aber nicht.“ zwinkerte er seinem Sohn zu.

Und das Problem verstand nun, welche besonderen Momente es den Menschen brachte. Kleine Probleme versprachen kleine Entwicklungsschritte, große Probleme hingegen gingen einher mit großen Entwicklungen – und unser Problem hier war schon verdammt groß.

In jeder Krise steckt eine Chance- den Spruch hört niemand gern, der gerade richtig im Loch sitzt. Hat aber dennoch was für sich. Wenn wir auf die Suche nach unserer Lektion, nach unserer Lernaufgabe gehen und eine sinnvolle Bedeutung darin entdecken. Wenn wir die Herausforderung annehmen zur Suche nach hilfreichen Einstellungen, die wir finden dürfen. Einstellungswerte sind nach Viktor Frankl eine der drei Haupt-Straßen zum Sinn. Wir sind nie frei von Leid, aber immer frei, dazu persönlich Stellung zu nehmen und müssen unsere Antwort auf die Fragen, die uns das Leben selbst stellt, verantworten. Wir sind die vom Leben Befragten. Wow! Das für sich wirklich zu entdecken! Damit holen wir uns statt unsers Opferdaseins und unserer Klagenummer unsere Kraft wieder zurück. Aber wir wollen lieber den Spieß umdrehen und würden dem Leben lieber selbst unsere (vorwürfigen) Fragen stellen. „If you miss, don`t miss the lesson.”- sagt uns aber auch der Dalai Lama. Muss wohl was dran sein.

Andererseits: Wer will schon immer seine Probleme lösen. Manchmal leiden wir auch, wenn wir ehrlich sind, lieber noch ein Weilchen. Scheint auch manchmal was zu bringen, sonst wär das ja dumm. Und wir sollten uns sonst endlich Hilfe holen. Darüber sollten wir nachdenken.

Und wie singt Anette Louisian so schön?

Geh mir weg mit deiner Lösung-das wär der Tod für mein Problem….!!“

Ihr Leben kann herrlich sein, auch mit leidvollen Schwierigkeiten, voll mit Liebe, Frieden und Freude, denn alles ist eine Frage der inneren Einstellung:

Ein Mann kam zu einem alten Rabbi und klagte: „Rabbi, mein Leben ist nicht mehr erträglich. Wir wohnen zu sechst in einem einzigen Raum. Was soll ich nur machen?“ Daraufhin der Rabbi: „Nimm deinen Ziegenbock mit in den Raum zu euch sechs.“ Der Mann glaubte, sich verhört zu haben. „Den Ziegenbock mit in den Raum?“ „Tue, was ich dir gesagt habe“, entgegnete der Rabbi, „und komm nach einer Woche wieder.“ Nach einer Woche kam der Mann wieder, total am Ende. „Wir können es nicht mehr aushalten, der Bock stinkt fürchterlich!“ Der Rabbi antwortete: „Geh nach Hause und stell den Bock wieder in den Stall. Dann komm in einer Woche wieder.“ Die Woche verging. Als der Mann zurückkam, strahlte er über das ganze Gesicht: „Das Leben ist herrlich, Rabbi. Wir genießen jede Minute. Kein Ziegenbock – nur wir sechs.“

(Autor unbekannt)

Optimistisch stimmen kann uns der Gedanke, dass es so etwas wie Weisheit gibt. Wenn wir älter werden, entwickeln wir, falls wir uns zugestehen, dass wir aus Erfahrungen lernen können, eine klarere Vorstellung davon, worauf es wirklich ankommt. Oft ist es wichtiger, wie wir etwas tun, als was wir tun. Wir werden also weiser und klüger-der Schwabe bekanntlich allerdings erst frühestens jenseits der 40! Kleinigkeiten rauben uns nicht mehr den Schlaf. Wir lernen zu schätzen, was wir haben, und Dinge laufen zu lassen, die wir ohnehin nicht steuern können. Es fällt uns ein wenig leichter, über die Merkwürdigkeiten des Lebens zu lachen. Wir sind großzügiger, vielleicht auch gütiger und mitfühlender, und Humor bringt uns das Leben selbst bei – wir müssen den Lektionen, die es uns erteilt, nur aufmerksam folgen.

Locker lassen,

und den Humor nicht verlieren!

 

Gehen Sie Ihren Tag spielerisch an,

das wünscht Ihnen

Dr. Wolf Maurer

Weiterführende Hörbücher:

PSS 14, 1819, 23, 24, 26

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