Bewusstseinstexte Dr. W.-J. Maurer

Opfer, Täter, Retter und was für ein Drama!

von Dr. med. Wolf-Jürgen Maurer

 

Ohne Frage – viel zu viele Menschen sind in Ihren frühen Beziehungen schwer verletzt worden.

Wesentliche Grundbedürfnisse wurden in der Kindheit nicht erfüllt.

Sie erlebten Zurückweisung, mangelnde emotionale Verbundenheit und Unterstützung sowie fehlenden familiären Rückhalt, um sich selbst zu entdecken und frei und kindgerecht zu entwickeln und zu wachsen.

Das Drama Ihres Kindseins bestand aus der Erfahrung von Ablehnung oder Nicht-Annahme Ihres eigenen Wesens.

Dadurch konnten Sie Ihr eigenes Wesen nicht entdecken und haben den Kontakt zu sich verloren oder nie gefunden und sich im Erfüllen der Erwartungen anderer im Außen immer weiter von sich selbst und ihrer Seele entfremdet.

Das eigentliche Drama besteht darin, dass Menschen dann fürs weitere Leben in dieser früh erlebten Hölle und im vertrauten Unglück innerlich steckenbleiben und sich und anderen das Leben leider selbst zur Hölle machen.

Indem sie sich und andere so behandeln wie Sie damals behandelt worden sind.

Und Ihnen das selbst gar nicht bewusst ist, dass Sie ihr Glück im Unglück suchen.

Wie das?

Indem sie in ihrer inneren Realität verharren und Partner nicht verlassen, die ihre Bedürfnisse wiederum mit Füssen treten.

Indem sie Arbeitsplätze nicht wechseln, obwohl sie seit Jahren darin unbefriedigt und unglücklich sind.

Indem sie in Beziehungen sich wie ein Kind verhalten und um Liebe betteln oder andere anklagen oder sie mit Wut oder derselben Kälte und Ignoranz bestrafen, mit der ihr Vater oder Mutter ihnen damals begegnet sind.

Indem sie sich selbst ausbeuten und als „funktionierende Maschinenwesen“ und Leistungssklaven verdingen.

Indem Sie sich das Essen verweigern, ihren Körper quälen, so wie sie früher als Kind misshandelt wurden und sich selbst Fürsorge, Liebe und Mitgefühl weiterhin vorenthalten.

Indem Sie als Hungerhaken als Mahnmal der Verfehlungen Anderer jahrzehnte lang durchs Leben gehen.

Indem sie vor sich selbst und ihren Gefühlen immer weiter wegrennen.

Indem sie sich also auch als Erwachsener als Opfer erleben und inszenieren und auf stellvertretende Wiedergutmachung von anderen Menschen warten und dauergekränkt einfordern, was sie von ihren frühen Bezugspersonen nicht erhalten haben und in ihrer Kindheit gemangelt hat.

Als Kind waren sie Opfer.

Aber Erwachsene sind nie nur Opfer sondern auch Täter.

Indem sie nicht bereit zu Verzicht und Wiedergutmachung sind, werden sie zum Mittäter, indem sie so ihr Unglück und ihre innere Realität auch als Erwachsener aufrechterhalten und selbst Beziehungen und Begegnung verhindern und andere dadurch ebenso verletzen- und diese so oft spüren lassen, was sie als Kind erlebt haben und dennoch gekränkt erwarten, dass sie von den so vorschnell als Täter Beschuldigten gleichzeitig Rettung und Erlösung aus ihrer inneren Not erwarten.

Was für ein Wahnsinn, was für ein Drama.

Was für eine endlose generationenübergreifende Weitergabe von Leid und Nicht-Liebe.

Solange solche Opferspiele als Erwachsene nicht durchschaut und aufgegeben werden, wird dadurch die alte innere Realität aufrecht und am laufen gehalten und der Mensch hat innerlich sein Elternhaus wahrlich noch nicht verlassen.

Er ist nicht erwachsen geworden, weil ein Teil Kind bleiben möchte und wartet.

Wartet und wartet.

Auf Nachholung und Wiedergutmachung seiner Kindheit, die er nicht bereit ist loszulassen, zu betrauern und dann die erlittene Kränkung zugunsten der eigenen Selbstbefreiung abzulegen, zu vergeben und weiterzugehen als Gestalter und verantwortlicher Mit-Schöpfer seines erwachsenen Lebens.

Ja, es muss und darf –gerade in Therapien- erst gewütet werden gegen die verinnerlichten Eltern von damals, der Schmerz des Kindes wirklich nachgefühlt und anerkannt werden, die Wut rausgeschrien und kraftvoll ausgedrückt und abgerechnet werden, aber dann muss das Fehlende akzeptiert und betrauert werden, denn die Kindheit ist niemals nachzuholen.

Aus und vorbei.

Wer das nicht akzeptiert, bleibt ein Kind.

Bleibt Opfer und blockiert und zerstört sein eigenes Leben.

Und das anderer oft gleich mit.

Es gibt wahre Meister darin, wie man sich das Leben zur Hölle macht.

Sie lehnen ab, wie sie selbst Ablehnung erfuhren.

Sie verunmöglichen Begegnung und Konflikt-Klärung auf Augenhöhe, akzeptieren Unvollkommenheit nicht, und entscheiden sich zu bleiben statt zu gehen, weiter zu jammern, nörgeln und zu klagen und zu beschuldigen und anzugreifen, zu leiden ohne etwas zu verändern und verleugnen ihre eigene beziehungsschädliche Verhaltens-Beiträge, die das Klima jeder Beziehung vergiften.

Auch in Therapien besteht die Gefahr, dass der fürs Erwachsenwerden notwendige Verzicht und Betrauerung des nicht mehr Nachholbaren nicht geleistet wird, und es beim jahrzehntelangen Wunden lecken bleibt.

Trostpreise nenne ich dies.

Schwarzer Peter- und Armer Schwarzer Kater-Spiele.

Not very sexy.

Selbstsabotage ist es, um genau zu sein.

Das falsche Selbst freut sich.

Durch ewige gut gemeinte Nachbeelterungsversuche des inneren Kindes und Nachholung des Mangelnden verliert der Patient immer mehr die Augenhöhe und wird zu diesem Kind.

Er bleibt in seiner Kindheit und im Drama stecken und das falsche Selbst und Wiedergutmachungsansprüche wird gefüttert.

Zumindest besteht hierin eine reale nicht zu unterschätzende Gefahr bei der so beliebten Arbeit mit dem sogenannten inneren Kind.

Da ist dann kein gesunder Erwachsener mehr da, sondern es erfolgt eine maligne Regression, ein Verschmelzen mit dem inneren Kind, ein Verharren im Kleinsein.

Was wirklich zählt und in Therapien nicht selten fehlt, ist die Anerkenntnis, daß man jetzt erwachsen ist und damit sowohl für sein Glück als auch sein Leid und sein Leben ganz allein verantwortlich ist und zu übernehmen hat.

Dabei geht’s nicht um Nachholung kindlich Versäumtem, sondern der Kontaktaufnahme mit dem eigenen wahren Wesens, dem früh verlassenen Selbst.

Es geht um Wiederaufnahme des emotionalen Dialogs zu sich selbst auf Augenhöhe.

Und ebenso dem erwachsenen Dialog mit anderen Menschen mit Interesse, Empathie, Respekt, Wertschätzung und Toleranz für Unterschiedlichkeit auf Augenhöhe.

Es geht um Begegnung- mit sich selbst und anderen.

Es geht darum, Beziehung zum wahren Selbst zu finden und daraus die Kraft zu wirklicher Beziehungsfähigkeit und Resilienz.

Es geht um Heilung und Befreiung aus der inneren neurotischen Realität, Ausstieg aus Opferspielen, Bereitschaft der Anerkenntnis, dass man als Erwachsener auch zum Täter geworden ist.

Es geht um Stärkung des eigenen Selbstes und der Fähigkeit, ein Leben in Beziehung und Begegnung aktiv und verantwortlich zu gestalten.

Es geht darum, endlich endlich seine Kindheit und sein Elternhaus zu verlassen, loszulassen, zu verzichten und zu vergeben und nicht mehr länger auf Versorgung, stellvertretende Erlösung und Wiedergutmachung zu pochen- um endlich man selbst zu sein.

Vergebung heißt loslassen. Alles. Um frei zu werden für die eigene Zukunft.

Es geht um Rückkehr zum eigenen im Kern unverletzlichen Wesen.

Es geht um wirklich Lieben und sich lieben lassen-jenseits von Mangel und Brauchen.

Es geht um den Mut zur eigenen Freiheit.

Opfer verteilen Schuldscheine.

Opfer meinen keine eigene Verantwortung zu haben.

So geben sie allerdings ihre Macht für ihr Leben an andere ab.

Man kann aber auch am eigenen Leben und eigenem Wesen schuldig werden.

Das ist die wirkliche Tragik.

Das hat niemand verdient.

Wachen wir aus diesem Alptraum auf zu unserer Schöpferverantwortung.

 

Das wünscht,

Dr. Wolf Maurer

 

Weiterführende Hörbücher:

PSS 2,4, 7, 8, 9, 10, 12, 13, 14, 15,18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27

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